Tiny House, Wohncontainer, Fertighäuser, Earthships und Co. – alternative Bauweisen sind gefragt. Doch welche erfüllt die Anforderungen des Bauens im 21. Jahrhundert?
Alles muss schneller fertiggestellt werden. Dazu soll es flexibel einsetzbar und günstig sein. Hier in Niedersachsen spielt der Massivbau noch die größte Rolle. Doch besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.

Lingen und Nordhorn machen es vor. Modulbau heißt die neue Bauweise und beste Alternative, wenn es schnell gehen muss. Hier werden die einzelnen Räume des Gebäudes aus Holz, Stahl oder Betonmodulen in einer Montagehalle vorgefertigt. Der Raum ist beim Abtransport mit dem LKW sozusagen bezugsfertig und muss nur noch auf der Baustelle mit den anderen Modulen zusammengesetzt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist qualitativ mit einem klassischen, aber zeitaufwendigeren Massivbau zu vergleichen.

Arnold Mönnich, Dipl.-Ing. und Leiter des Hochbauamtes Hochbauamt der Stadt Nordhorn, berichtet uns über die letzten Modulbauprojekte der Stadt und was es damit auf sich hat.

Kosten, Zeitpläne, Qualitätsmanagement

Die Frage nach der Unterbringung der Flüchtlinge aus dem Ausland führte zu neuen Denkweisen im Hochbauamt. Wie können wir in kurzer Zeit die Flüchtlinge angemessen unterbringen? Das war die Hauptfrage, die sich die Stadt Nordhorn stellen musste.

Es gibt viele Möglichkeiten, doch nicht alle sind wirtschaftlich interessant und felxibel in ihrern Nutzungsmöglichkeiten.

Die Stadt Nordhorn musste mit Kosten, Zeitplänen, Qualitätsmanagement und der Akzeptanz der Bevölkerung jonglieren. Zudem möchte man verantwortungsvoll mit den zur Verfügung gestellten Geldern umgehen und auch nach der kurzfristigen Nutzung die Investition anderweitig verwenden. Eine Exit-Strategie musste her.

Ein Containerbau steht wahrscheinlich nur einige Jahre und wird dann abgebaut. Der finanzielle Aufwand ist sehr hoch, die Nutzungsdauer kurz. Mietobjekte sind nicht immer leicht zu bekommen und letztendlich möchte man sich am liebsten eigene Immobilien schaffen, wenn eine Nachnutzung möglich ist. All das innerhalb weniger Monate – wie soll das gehen?

“Ich las in der Lingener Tagespost, dass die Stadt Lingen ein Modulbauprojekt umsetzte. Als das Gebäude erstellt wurde, schaute ich mir zusammen mit dem zuständigen Sachbearbeiter das Objekt an. Wir waren sehr beeindruckt von der Wertigkeit des Gebäudes. So rückte Modulbau in unseren Fokus.” – Arnold Mönnich

Die Angebote für Containerbauten lagen längst auf dem Tisch. Doch Mönnich teilte uns mit, dass die Angebote überraschend hochpreisig waren. Der Markt schien es herzugeben.

Mönnich holte auch Modulbau-Angebote ein, bekam eine wirtschaftliche Lösung vorgelegt und setzte letztendlich zwei Gebäude am Heideweg in Nordhorn in Modulbauweise um. Die Planung fürhte Ripperda Modulbauplanung aus Langen durch. Einer der wenigen Modulbauplaner aus der Region.

“Der große Vorteil beim Modulbau war für uns der hohe Vorfertigungsgrad. Man kann vieles in der Halle bauen und hat während dieser Phase wenig mit der Witterung zu tun. Zudem kann man zu jeder Jahreszeit vorfertigen und aufbauen. Nur für die Fundamentarbeiten muss es frostfrei sein. Das spart Zeit.” – Arnold Mönnich

Umbauen, versetzen, verändern – Modulbau ist flexibel

Jetzt, da sich alles etwas beruhigt hat und die Flüchtlinge anderweitig untergebracht wurden, wird ein Gebäude als Kindertagesstätte genutzt. Ein weiteres Gebäude hat neben Wohnungen auch Räume für Ganztagespflege.

“Wir haben Wände geöffnet, Fenster gegen Türen getauscht, einen Spielplatz angelegt, schon hatten wir unsere Kindertagesstätte und das innerhalb von acht Wochen.” – Arnold Mönnich

Dadurch, dass die einzelnen Module aus Holz gefertigt sind, kann man relativ leicht Wände herausnehmen, Fenster durch Türen ersetzen und so das Gebäude umfunktionieren. Das macht eine nachhaltige Nutzung einfach und wird dem flexiblen Nutzungsanspruch von heute gerecht.

In der Planungsphase ändert sich für das Hochbauamt nicht viel, teile uns Mönnich mit. Doch ab Auftragsvergabe schreitet der Bau rasant voran.

Im Gegensatz zu einer Containerlösung ist der Lebenszyklus wesentlicher länger. 30 – 50 Jahre soll ein Modulbaugebäude bei entsprechender Pflege halten, bevor es saniert werden muss.

“Meine Aufgaben bei diesem Projekt lagen in der Minimierung von Kosten, der Definierung von Zeiträumen und Qualitäten sowie die Steuerung des Projekts. Beim Modulbau hat die Bauleitung relativ wenig zu koordinieren, denn große Teile der Bauleitung finden werksseitig statt.” – Arnold Mönnich

Die Stadt Nordhorn konnte mit dem Modulbau bisher zwei Gebäude erfolgreich umsetzen und eine langfristige Nutzung sicherstellen. Die Anwohner akzeptieren das Gebäude – es passt zum Stadtbild. Drei weitere Gebäude sind in Planung. Hier wird wahrscheinlich auch in Modulbauweise gebaut.

“Es fehlen Kinderkrippenplätze. Das Defizit arbeiten wir jetzt Stück für Stück ab. Wir planen soweit alles durch und wenn die Politik den Startschuss gibt, dann gehen wir mit der Ausschreibung an den Markt.” – Arnold Mönnich

Das ist aber nur möglich, weil die Zeit zwischen Ausschreibung und Fertigstellung dank Modulbau recht kurz ist. Circa 50 % schneller lassen Gebäude in Modulbauweise fertigstellen. So können Kommunen die Zahlen besser beobachten und zeitnah reagieren, wenn es die Situation erfordert.

Carsten Ripperda, Architekt und Planer der zwei bisher fertigstellten Gebäude, ist ebenfalls vom Modulbau überzeugt:

“Weniger als 1 % Ihres Umsatzes investieren Bauunternehmen in neue Technologien. Das ist weniger als jeder andere große Industriezweig. Ich glaube, dass bessere, schnellere und günstigere Bauprojekte längst überfällig sind. Die Bauwirtschaft und vor allem Bauherren sind bereit für Veränderungen. Modulbau ist ein Schritt in diese Richtung.” – Carsten Ripperda, Modulbauplaner

Wie sich der Modulbau weiterentwickelt, ist abzuwarten, jedoch zur Zeit einer der spannensten Bautrends auf dem Markt. In Zukunft werden wir sicher mehr solcher Gebäude sehen und auch nutzen. Modular bauen ist kein neuer Gedanke, doch der Modulbau von heute ist weit entfernt von dem Billig-Image der Fertighausfabriken.

Mit Modulbau geht Qualität auch wirtschaftlich.